Krippe mit familiärer Atmosphäre

Herrenberg: Die Schmetterlinge feiern ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Fest

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Beim Jubiläumsfest ging es nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam zu – mit dabei die Leiterin der Schmetterlinge Barbara Faix-Kaiser (Zweite von rechts) GB-Foto: Vecsey

von Thomas Morawitzky

Längst schon weiter geflattert in den Kindergarten ist das Mädchen, und dennoch steckt es noch einmal den Kopf durch das Loch in dem Plakat, das es zu einem Schmetterling macht. Auch andere Kinder und Eltern denken gerne zurück an die Zeit, die sie mit der Kinderkrippe in der Berliner Straße verbrachten. Seit 30 Jahren gibt es die Schmetterlinge. Ganz zu Beginn hatte die Kinderkrippe einen schweren Stand in Herrenberg. Heute ist das
anders.

Kaum eine Vereinsgeschichte erzählt mehr von Herrenberg in den vergangenen 30 Jahren, als die der Schmetterlinge. Einst stand die Betreuung von Kleinkindern nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Bewusstseins. Vor 30 Jahren wurde eine Kleinkinderbetreuung in Herrenberg gar als inakzeptabel empfunden. Sieben Frauen gründeten die Schmetterlinge am 15. November 1989; die Herrenbergerin Doris Bartek-Todorovic hatte den Anstoß dazu gegeben, Bärbel Müller-Reichart, die dabei war, erinnert sich daran. „Es war eine ganz schwere Zeit“, sagt sie. „In Herrenberg gab es kein Verständnis dafür, dass jemand seine kleinen Kinder außer Haus geben wollte, um zu arbeiten. Man nannte uns Rabenmütter. Wir haben keine Unterstützung bekommen.“ Das zeigte sich auch darin, dass die Schmetterlinge in der Stadt keine Bleibe fanden.

Das erste Domizil, das der Herrenberger Verein beziehen konnte, befand sich in Mönchberg. Erst wenige Jahre später, zu Beginn der 1990er Jahre, zogen die Schmetterlinge schließlich in die Stadt, zunächst ins CVJM-Haus in der Grabenstraße, dann, 1994, in die Berliner Straße.

Mit jedem Umzug erhöhte sich die Kapazität der Kinderkrippe. Konnten zunächst nur fünf Kinder zwischen einem und drei Jahren in den Stunden des Vormittags aufgenommen werden, sind es heute 14. Die Wahrnehmung des Vereins und seiner Arbeit in der Stadt hat sich grundlegend geändert: Einst geschmäht sind die Schmetterlinge 30 Jahre nach ihrer Gründung in der Mitte der Herrenberger Gesellschaft angekommen, ist die Situation von jungen Eltern, die ihren Beruf nicht aufgeben wollen, längst akzeptiert und findet Unterstützung – auch durch die Stadt Herrenberg, auch in finanzieller Form. Kämmerer Stefan Metzing, der bald sein Amt als Finanzbürgermeister antritt, ist am Samstag, als die Schmetterlinge ihr Jubiläum feiern, vor Ort, um dies zu bekräftigen.

Beim Jubiläumsfest sind Kinder, Eltern, natürlich überall; viele Ehemalige sind ebenfalls gekommen. Als Verein besitzen die Schmetterlinge heute rund 80 Mitglieder, und nicht jedes dieser Mitglieder brachte einst eigene Kinder in der Krippe unter – ideelle Unterstützung erhielten die Schmetterlinge von Anfang an.

Was jene, die die Schmetterlinge in ihren frühen Tagen kritisierten, übersahen, ist bei diesem Fest ganz offenkundig: die Kinder fühlen sich wohl in ihrer Krippe. Barbara Faix-Kaiser, pädagogische Leiterin der Schmetterlinge, führt mit ihren Kolleginnen durch das kleine Haus: Einen Mehrzweckraum gibt es dort, in dem die Kinder basteln, spielen, ihre Mahlzeiten einnehmen, in dem jedes Kind einen festen Platz an einem der drei Tische hat, so dass es nirgendwo zu Zank kommt, aus dem eine Tür hinaus führt in den kleinen Garten am Haus, zum Spielgerät an freier Luft.

Diesen Garten wollten die Schmetterlinge natürlich nutzen, um ihr Fest zu feiern. Die Witterung jedoch machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Draußen ist es kalt, draußen fällt eisiger Regen, drum bleibt das bunte Leben drinnen. Das Spielzimmer der Schmetterlinge ist geöffnet, im Vesperzimmer werden Kinder kreativ und im Foyer lassen sie sich bemalen. Dort steht auch das Plakat, durch das sie ihre Köpfe stecken können, um sich in Schmetterlinge zu verwandeln, dort stehen Wände voller Zeitungsausschnitte und Bilder, die die Geschichte der Schmetterlinge, ihre Erlebnisse und ihr Beharren dokumentieren.

„Es geht nicht nur darum, dass wir unsere Kinder in eine Krippe geben, um arbeiten zu können“, sagt Ute Kettner, nach Elisabeth Lay, zweite Vorsitzende der Schmetterlinge. „Viel wichtiger sind die sozialen Kontakte, die die Kinder hier schon früh bekommen, die vielen Impulse. Man merkt das schnell, wenn sie nach Hause kommen und erzählen, neue Lieder und Spiele mitbringen.“ Ein Tag der Schmetterlinge beginnt um 7.30 Uhr und endet um 13.30 Uhr; vier Erzieherinnen und eine feste Vertretungskraft sind in dieser Zeit für die Kinder da. „Danach ist immer noch viel Zeit für Eltern und Geschwister.“ Ute Kettner ist es auch, die den Gründerinnen ihres Vereins am Samstag einen tief empfundenen Dank ausspricht – denn die Schmetterlinge sind heute noch anders als andere Kleinkindergruppen, sind kleiner, familiärer geblieben. „Das“, sagt sie, „ist es, was uns immer noch auszeichnet.“